Eine Radarstation nahe Tschornobyl.
Nachdem wir die Überhorizont–Radarstation besucht hatten, kehrten wir zurück nach Tschornobyl, um Denis Vischnevskiy, einen Radiologen vom „Ecocenter“, abzuholen.
Heute haben wir noch ein weiteres Ziel vor uns: Die Ruinen der militärisch genutzten Radarstation am nördlichen Stadtrand von Tschornobyl. Leider muß Sergey noch heute nach Slavutitsch zurückkehren. Denis und ich bringen ihn zum Bahnhof von Semihody und fahren zurück nach Tschornobyl.
Es ist nicht besonders schwierig, zu dem Gelände der Radarstation zu kommen: Man muß eigentlich nur wissen, wo es sich befindet :). Es liegt nahe der Straße von Tschornobyl nach Pripjat, auf der linken Seite, direkt nach der Kreuzung „Korogod – Paryshiv“. Ein paar Schritte von dort, und schon ist man da.
| 1. Der Kontrollpunkt | 2. Das Bad | 3. Die Hauptallee |
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3. Propagandaschilder am Zentralplatz
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4. Die Kaserne
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5. Die Kantine
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Im Lagerraum, zwischen den umgestürzten Regalen und leeren Ersatzteilkisten, findet man alte Radiolampen mit Metallummantelung, die extra für das Militär hergestellt wurden. Sie halten hoher Radioaktivität stand, was vorteilhaft gegenüber der Halbleitertechnologie ist.
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8. Das sind die Überreste des „P–14 Lena“ Radars und ein unterirdischer Kontrollbunker
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Wir sind am Rand der Anlage. Denis und ich klettern auf einen bis zur Hälfte vergrabenen Tank (ein Dieseltank für die Generatoren der Radarstation). Richtung Westen zeigt sich eine herrliche Aussicht. „Das ist das berühmte Auenland von Tschornobyl! Sogar aus dem All kann man es sehen.“ sagt Denis. Die Sonne versteckt sich hinter dem Horizont, der Tag geht zur Neige. Mit einer Art Erleichterung verstaue ich meinen Photoapparat in der Tasche. Das war es für heute. Wir gehen entlang der dicht bewachsenen Allee zurück zur Straße. Die Erlebnisse des heutigen Tages lassen mich langsam eine leichte Müdigkeit verspüren.
Wir sind wieder in Tschornobyl. Denis lädt mich zum Kaffeetrinken in sein Büro der „Ecocenter“–Filiale in der Schulstraße ein. Er erzählt über Giftschlagen, alte Friedhöfe in der Zone und sein Spektrometrielabor... Draußen wird es langsam dunkel... Es wird Zeit, sich auf den Heimweg zu machen...
Es ist 20:30 Uhr; ich stehe mitten im – von Neonlichtern und unnützen Werbetafeln – hell erleuchteten Zentrum von Kiew, und irgendwo, nur 120 Kilometer entfernt, gibt es ein kleines Stück Land namens „Die Zone“. Mit einer eigenen Hauptstadt, eigenen Gesetzen und Traditionen. Der Geist der Zeit, die dort vor 21 Jahren stehen geblieben ist, fand nie wieder zu sich, um voranzuschreiten. Die Fahrzeuge dort haben eigene Kennzeichen, die Beschäftigten tragen Tarnkleidung, obwohl sie nicht dem Militär angehören. Sie leben und arbeiten in den von Menschen verlassenen Häusern und ernähren sich nicht von Fastfood oder in Restaurants, sondern in Kantinen gegen Abgabe von Essensmarken. Und irgendwo tief im Herzen dieses Gebiets, nicht weit vom abgeschalteten, weltbekannten Atomkraftwerk, umgeben von dichtem Wald, verrrostet eine gigantische Meisterleistung der Konstrukteure und Ingenieure einer vergangener Epoche: Eine 150 Meter hohe Radarantenne. Ein Erbe einer nicht mehr existierenden Armee eines nicht mehr existierenden Staats...
Für die Organisation und die Begleitung möchte ich mich bei S. Paskevitsch und D. Vischnevskiy (Ecocenter) herzlich bedanken.
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